Bunte Linke Heidelberg

 

Bündnis für Demokratie, Solidarität, Umwelt und Frieden

 

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Beitrag des Vertreters der Bunten Linken, Arnulf Weiler-Lorentz

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Pacemaker Marathon,

auch ich darf Sie ganz herzlich begrüßen. Für die Stadt Heidelberg hat dies mein Kollege von der Grünen Gemeinderatfraktion schon getan. Ich denke, die Organisatoren Ihres Zwischenhalts hier in Heidelberg haben mich eingeladen, weil im Untertitel des Namens der Bunten Linken auch das Wort „Frieden“ vorkommt und weil wir engen Kontakte zu den beiden Heidelberger Friedensgruppen halten.

 

Sie haben sich zum 10. Mal eine weite Fahrt durch das Land vorgenommen. Das ist ganz in der Tradition der Anti-Atomwaffen-Bewegung, die schon immer den Protest auch mit körperlicher Anstrengung ins Land getragen hat. Ich erinnere mich noch daran, wie ich 1958 das erste Mal an einem Marsch gegen die atomare Aufrüstung in der Bundesrepublik teilgenommen habe. Der Marsch ging über 25 km, es war drückend heiß und anstrengend. Ich war am Ende ziemlich erschöpft, aber glücklich und stolz, dass ich als 15 jähriger an einem solch wichtigen Ereignis teilgenommen hatte. Dass man die Welt allerdings auch mit Anstrengung nicht so leicht verändern kann, habe ich in der Folge gelernt.

 

In der vergangenen Woche starb Theodore van Kirk. Van Kirk war der der Navigator der Besatzung des Bombenflugzeuges, die heute vor 69 Jahren die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen hat. Er beschrieb den Anblick nach der Explosion später folgendermaßen: „Die Stadt sah aus wie ein Topf mit schwarzem kochendem Teer“. Von den 250 000 Einwohnern der japanischen Stadt starben 90 000 sofort, weitere 60 000 starben noch im selben Jahr an ihren Verletzungen, vor allem durch atomare Strahlung. Viele 10 000ende starben in den Folgejahren an den Spätfolgen der Strahlenkrankheit. Drei Tage später warf die US-Luftwaffe eine Plutoniumbombe über Nagasaki ab, die ähnliche unvorstellbare Leiden verursachte.

 

Spätestens mit dem ersten Einsatz von Atomwaffen war die Vorstellung von Krieg und Gewalt als Ultima ratio der Politik ad absurdum geführt. Es war nicht mehr die Frage, ob von Kriegen die Zukunft der Menschheit abhängt, es war die Frage, ob die Menschheit bei einem großen Krieg überhaupt noch eine Zukunft hat.

 

In der Zeit des kalten Krieges [1947-1971] begann zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion und ihren jeweiligen Militärblöcken ein Rüstungswettlauf, der vor allem die Atomwaffen betraf. Zu seinem Höhepunkt betrug die Zahl der nuklearen Sprengköpfen beider Supermächte über 70 000. Inzwischen haben internationale Verträge und die Einrichtung von atomwaffenfreien Zonen zu einer Verringerung dieses Arsenals geführt. Heute wird von 16 000 Sprengköpfen ausgegangen. Diese sind allerdings immer noch ausreichend, die Menschheit vielfach auszulöschen.

 

Für dieses Gleichgewicht des Schreckens wird ins Feld geführt, sie sei eine politische Strategie zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit eines großen Kriegs. Sie beinhaltet aber ein extrem hohes Eskalations- und Vernichtungsrisiko. Mehrfach geriet die Menschheit in der Vergangenheit an den Rand der Katastrophe, weil die Eskalation durch wechselseitige Drohgebärden zu weit getrieben wurde oder weil Raketenstarts oder Flugzeugbewegungen falsch interpretiert wurden. Am dramatischsten war die Situation während der Kuba-Krise, als die UdSSR atomwaffenfähige Mittelstreckenraketen auf der Karibikinsel stationierte.

 

Europa war und ist von dieser Gefahr in besonderem Maße bedroht,

  • Weil es bei einer Auseinandersetzung zwischen den Großmächten das Schlachtfeld darstellen würde,
  • Die NATO-Strategie, auch die neue NATO-Strategie, den Einsatz von taktischen und strategischen Nuklearwaffen nicht ausschließt.

In Europa waren in den Zeiten des Kalten Krieges  mehrer tausend Sprengköpfe gelagerten.  Heute wird davon ausgegangen, dass es rund 380 Nuklearsprengköpfe in Europa gibt. Darunter befinden sich auch taktische, die nur zum Einsatz in Deutschland bestimmt sind. Aber auch diese Anzahl von Sprengköpfe würden bei einem Krieg zu einer völligen Verwüstung und Verstrahlung von Europa führen, einmal durch ihrem Einsatz aber auch, weil sie Ziel von Atomwaffen des Gegners sind.

 

Jede dieser Atomwaffen ist eine zu viel. Jede der weltweiten Sprengköpfe ist einer zu viel. Deshalb fordern Sie, deshalb fordern wir, den Abzug und die Verschrottung der in Deutschland gelagerten Atomwaffen und die weltweite Ächtung dieser Massenvernichtungswaffen!

 

Ich wünsche Ihnen, ich wünsche uns, dass Ihr Marathon und das Aktionscamp in Büchel dazu beitragen, das Bewusstsein in Deutschland für diese Fragen zu schärfen und dass sie dazu beitragen, diese Forderungen zu politisch wirksamen Forderung zu machen!

04.08.2014